K-ü-n-s-t-l-e-r-n-e-t-z-w-e-r-k
Kommentar
WE ARE „ART-FAMILY“ DIE GESCHICHTE DES STAND.ART KUNSTMARKTES
Veröffentlicht 21.08.2023
Am 3. September 2023 ist es wieder so weit, der Bauspielplatz Friedenspark (Baui) in der Kölner Südstadt öffnet seine Türen für den 15. STAND.ART-KUNSTMARKT, was bedeutet, dass die Vorbereitungen gerade auf Hochtouren laufen. Deshalb freut es mich um so mehr, dass Sonja Thakuri (im folgenden: Sonja), die Begründerin des STAND.ART-KUNSTMARKTES, sich die Zeit nimmt für ein Interview. Ich möchte mich mit ihr über die Entstehungsgeschichte, die Hintergründe und die Zukunft des STAND.ART-KUNSTMARKTES unterhalten.
Die Entstehungsgeschichte – Frust als Motivator zur Eigeninitiative
Bezahlbare Ausstellungsmöglichkeiten zu finden, gestaltet sich für KünstlerInnen oft sehr schwierig bis frustrierend, da das Angebot hier doch eher begrenzt ist. So erging es auch der jungen Künstlerin Sonja Thakuri 2016 bei Ihrer Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten. Derart gefrustet und genervt von den meistens hohen Ausstellungsgebühren entsteht bei Sonja spontan die Idee, einfach selbst einen Kunstmarkt ins Leben zu rufen. Sie entwickelt und formuliert kurzer Hand – inspiriert auch durch die von ihr besuchten Kunsthandwerker-Märkte im Harz – ein modifiziertes Konzept, insbesondere auch mit anderen, ihr wichtigen Konditionen und überträgt dies auf Köln. Besonders am Herzen liegt Sonja dabei der soziale Aspekt, der steht bei ihr ganz oben an erster Stelle, die Standgebühren sollen für alle KünstlerInnen erschwinglich sein. Das ist der oberste Leitsatz und soll es auch immer bleiben!
Die Location – Kleine Festung mit großem Spielraum
Der erste Schritt ist getan, jetzt muss „nur“ noch eine geeignete Location gefunden werden. Aber dies gestaltet sich zunächst schwieriger als gedacht. Doch der Zufall kommt ihr zu Hilfe. Bei einem Treffen mit Freunden am Rhein erzählt sie über ihre bislang ergebnislose Suche. Und tatsächlich hat einer ihrer Freunde den Tipp für sie, doch einmal mit den Verantwortlichen des Bauspielplatzes Friedenspark (Baui) Kontakt aufzunehmen. Die Vermietungsbeauftragten des Bauspielplatzes sind sofort begeistert von dem Konzept.
„Den Bauspielplatz als Ausstellungsort zu gewinnen, war ein echter Glücksgriff“ erzählt Sonja mit glänzenden Augen. Es ist aber auch ein eindrucksvoller und vor allem geschichtsträchtiger Ort. Und so findet der STAND.ART-KUNSTMARKT sein Zuhause in einem alten Fort, das ursprünglich Teil des preußischen Festungsrings von 1815 war, mit einem 2.500 m² großen Außengelände. Zitat Sonja: „Kleine Festung mit großem Spielraum“. Hoch über dem Fort schwebt ein Adler. Diese Adlerplastik besteht übrigens aus eingeschmolzenen Kanonenkugeln. Hier gibt es mehr über die bewegt-bewegende Geschichte des Forts durch den ersten und zweiten Weltkrieg bis hin zum heutigen Bauspielplatz Friedenspark zu lesen: Geschichte – Bauspielplatz Friedenspark (jugz.eu)
Von Anfang an war geplant, einen regelmäßigen Kunstmarkt als fortlaufende Veranstaltung anzubieten. Von anfänglich 2x im Jahr findet der STAND.ART-KUNSTMARKT mittlerweile 3x im Jahr statt. Nur im Jahr 2020 musste der Markt corona-bedingt Pause machen. Es ging dann erst im Sommer und Herbst 2021 weiter. Der STAND.ART-KUNSTMARKT erweitert sich übrigens bei schönem Wetter auch auf den Außenbereich.
Team-Arbeit ist alles
Seit dem Start mit dabei sind ihre Freunde Frank Starke, Robin Emans und Nadine Klinkhammer, die sich mit einbringen und sie bei allem unterstützen. Ihr ganzes Umfeld hat immer alles mitgetragen und sich freiwillig -teilweise auch ohne kunstinteressiert zu sein- eingebracht! Mittlerweile hat sich das gesamte Orga-Team auf 7 bis 10 Personen erweitert, wobei Sonja, Frank, Robin und Nadine nach wie vor der feste Ur-Kern der Truppe sind. Tatsächlich ist der Sohn von Nadine seit seiner Geburt schon immer mit dabei und ist zwischenzeitlich sogar zum „Kinderbeauftragten“ avanciert.
STAND.ART-KUNSTMARKT – alles Standard oder was?
Nun braucht die Veranstaltung nur noch einen Namen. Die Suche nach einem passenden Veranstaltungsnamen wird zu einem coolen Wortspiel:
– STAND.ART = Stand + Kunst (art)
– STAND.ART = Standard
– STAND.ART = Standpunkt
STAND.ART steht für Politikum und für Standpunkt
Mit und aus dem Namen STAND.ART lässt sich bereits herauslesen, was den STAND.ART-KUNSTMARKT von anderen Kunstmärkten unterscheidet. Der STAND.ART-KUNSTMARKT will dem etablierten Kunstmarkt etwas entgegensetzen. STAND.ART ist ein Politikum, ein Standpunkt: Kunst ist nicht elitär. Kunst ist für jeden. Alle sollen sich Kunst leisten können. Jeder Künstler und jede Künstlerin sollte die Möglichkeit haben, seine Kunst zu präsentieren. Das ist quasi der Kerngedanke vom STAND.ART-KUNSTMARKT. Das zeichnet ihn aus!
KünstlerInnen der ersten Stunde
KünstlerInnen für den ersten STAND.ART-KUNSTMARKT zu finden, ist nicht sehr schwierig, denn die Nachfrage ist groß. Zum einen kennt Sonja viele KünstlerInnen und zum anderen startet Frank einen Aufruf beim Projekt „Jack in the Box“ und auf Facebook. Mittlerweile ist die Nachfrage sogar so groß, dass gar nicht mehr alle KünstlerInnen angenommen werden können. Dazu erzählt Sonja dann, dass sie in Abstimmung mit den anderen aus dem Orga-Team eine Auswahl unter den BewerberInnen treffen muss, was ihr doch sehr schwer fällt. Sich selbst als Künstlerin und ihre Kunst stellt sie meistens zurück, da sie als Haupt-Organisatorin uneingeschränkt ansprechbar sein muss und auch möchte sowohl für die teilnehmenden KünstlerInnen als auch für die BesucherInnen. Sonja hat die „Freie Kunstschule“ in Köln-Ehrenfeld absolviert. Sie malt florale Bilder, arbeitet aber auch mit Mischtechniken und macht Strukturfotografie und noch vieles mehr.
Spenden, Soziales und ehrenamtliches Engagement
Neben der Spendenbox am Einlass für die Unkostendeckung des STAND.ART, werden pro Markt aber auch noch Spenden gesammelt, z.B. für die Mission Lifeline, den Kölner Imkerverein oder den Baui. Die Unkostendeckung des STAND.ART-KUNSTMARKTES setzt sich somit zusammen aus den Standgebühren und aus freiwilligen Spenden. Besonders bemerkenswert: das komplette Orga-Team stellt seine Arbeitskraft unentgeltlich zur Verfügung! Falls mal ein Plus erwirtschaftet wird, fließt das Geld zurück in Anschaffungen für das Projekt, so wurde z.B. ein Banner gedruckt und in technische Anschaffungen investiert.'
Im Gespräch mit der offenen und sehr sympathischen Sonja Thakuri habe ich versucht herauszufinden, was den STAND.ART-KUNSTMARKT denn nun so attraktiv macht und ihn von den anderen Kunstmärkten und Ausstellungen unterscheidet. Denn dass das so ist, das belegen die Fakten: es fanden bereits 14 Märkte statt und es können gar nicht so viele KünstlerInnen untergebracht werden wie mitmachen wollen und nicht zuletzt die stetig steigenden Besucherzahlen von teilweise 600 bis 800 Besuchern (im Durchlauf über den Tag verteilt), beim letzten Markt gab es sogar einen Rekord von über 1000 Besuchern! (ebenfalls im Durchlauf über den Tag verteilt)
Das Kern-Orga-Team ist von Beginn an unverändert zusammen, sie sind ein gut eingespieltes, harmonisches und vor allem gut miteinander kommunizierendes Team, so dass die Basis schon mal stimmt. Sonja als Begründerin des Marktes ist zweifellos das Herz und die Seele des Stand.art Kunstmarktes. Mit ihrer fürsorglichen, offenen, sozialen und altruistischen Art schafft sie es auf ihre ganz eigene herzliche und liebenswürdige Art, dass sich die ausstellenden KünstlerInnen sehr gut aufgehoben und betreut fühlen. So spricht Sonja sowohl vor als auch nach der Veranstaltung mit jedem einzelnen der teilnehmenden KünstlerInnen und bittet um ein Feedback. Die ausstellenden KünstlerInnen werden auch alle gut ins Konzept integriert und mit einbezogen. Es läuft alles locker und unkompliziert ab. Das zusammen erzeugt eine schöne und gute Atmosphäre, die Stimmung ist immer sehr angenehm. Und das überträgt sich auch auf die BesucherInnen. Es fühlt sich an, wie eine große Familie und es fühlt sich einfach jeder wohl.
Der STAND.ART-KUNSTMARKT ist eine bunt gemischte Veranstaltung, was sowohl die KünstlerInnen, die Kunst selbst aber auch die BesucherInnen betrifft. Alle sozialen Schichten, alle Altersklassen und alle Kunstrichtungen sind hier vertreten in diesem Raum für genre-übergreifende Kunst. Neben bildender Kunst bietet der Markt auch noch Lesungen, Musik, Vorträge und Workshops an.
Sonja Thakuri und mit ihr der Stammkern des Orga-Teams, haben den STAND.ART-KUNSTMARKT zu einer sehr beliebten und erfolgreichen Veranstaltung gemacht, die inzwischen in der Südstadt sehr etabliert ist. Es stimmt eben nicht nur der Rahmen, sondern auch die hinter der Veranstaltung stehenden Werte, insbesondere das soziale Engagement. Diese Werte werden von den Organisatoren auch gelebt und fließen in die Veranstaltung ein.
Vereinsgründung
Zurzeit arbeiten Sonja und das STAND.ART-Team sehr intensiv an einer Vereinsgründung, was viele Vorteile bietet. Es können sich mehr Leute einbringen; es können Gelder, z.B. Fördergelder, generiert werden; es gibt einfach mehr Projektentwicklungsmöglichkeiten und es können mehr Aufgaben delegiert werden. Das bringt Sonja mehr Zeit, mit den KünstlerInnen und BesucherInnen zu kommunizieren. Die Kommunikation mit Menschen (eigene Anmerkung: eine ihrer Kern-Kompetenzen) liebt sie ganz besonders. So erzählt sie mir, dass sie es liebt, alleine schon beim Verteilen der Flyer, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und sie für den Kunstmarkt zu begeistern.
Und Sonja hat noch viele weitere Ideen für die Zukunft, wie z.B. einen Nachtkunstmarkt zu veranstalten oder Kneipenabende, wo sich KünstlerInnen vorstellen können. Ein großer Traum vom STAND.ART-Team ist es auch, den STAND.ART- Kunstmarkt über den Rhein auf die „schäl Sick“ zu bringen.
Na, dann mal los – ich bin sicher, mit diesem Engagement wird alles gelingen!
15. KUNSTMARKT
03. September 2023 – 12.00 bis 19.00 Uhr
Bauspielplatz Friedenspark (Baui)
Hans-Abraham-Ochs-Weg 1
50678 Köln
Veröffentlicht 25.09.2022
Die letzte Vernissage im Projektraum „ Das Ohr“ war nicht nur gut besucht -zeitweise war es sehr voll – sondern auch sehr emotional. Nach einer kurzen Künstler:Innen- Vorstellung wurde bei feinsten Jazzklängen vom „Ohrtett“ Kilian Müller und Samuel Heinecker, noch lange beisammen gestanden und sich ausgetauscht. Und so wurde noch lange erzählt und gelacht, jeder wollte die Vernissage so lange wie möglich genießen. Es war einer erfüllender wunderschöner Abend.
Wichtige Info:
Heute Abend um 18.20 ist die Ausstellung Teil einer Führung durch die Kölner südstadt.
Ausstellung „Open Art Stage“ im Projektraum „Das Ohr“, Im Ferkulum 8, 50678 Köln
Weithin sichtbar leuchtet das ganz in Gold verhüllte Kunstboot „Lady Stahl“ und gibt dem Rheinauhafen einen leicht glamourösen Touch, zieht die Aufmerksamkeit der Spaziergänger/Innen auf sich. Doch bei näherem Betrachten wird schnell klar, dass es hier eben nicht um Glitter und Glamour geht, sondern vielmehr eine Kunst-Umwelt-Aktion dahinter steckt. Es handelt sich um die erste Ausstellung mit dem Titel „Vertreibung aus dem Paradies“ und ist der Beginn einer thematischen Veranstaltungsreihe.
Gabriela Drees-Holz, Textil- und Installationskünstlerin aus Korschenbroich, hat das Kunstboot des Galeristen Rolf Hartung mit goldenen Rettungsdecken zur „Goldenen Arche Noah“ verhüllt. Und Rettung ist das zentrale Thema. Können wir unsere Umwelt und letztlich damit auch das Überleben von uns Menschen noch retten? Trotz nicht mehr zu übersehenden Krisen geht die Vermüllung und Zerstörung unserer Umwelt munter weiter.
Mit der zusätzlich an Deck installierten „Kapselarbeit“, bei der es um Aluminium-Kaffee-Kapseln geht, demonstriert die Künstlerin eindrucksvoll, dass diese Kaffee-Kapseln, die leider den heutigen Lifestyle repräsentieren, einen nicht unwesentlichen Anteil an der Vermüllung und Zerstörung unserer Umwelt haben. Letztlich ein toter Lifestyle, da diese Aluminium-Kapseln jegliches Leben von Tieren und Pflanzen verhindern. In einer kurzen Vernissage-Ansprache erfahren die Gäste von Gabriela Drees-Holz, dass sie sich bereits seit 5 Jahren mit den Alumunium-Kaffee-Kapseln und deren Folgen für die Umwelt beschäftigt und man merkt ihr an, wir sehr es ihr am Herzen liegt, mit ihren Kunst-Installationen die Besucher/Innen zu erreichen und für ein umweltbewußtes Leben zu sensibilisieren und zu werben
In dieser von Gier geleiteten kalten Welt, die alles Leben zerstört, sitzen frierend Adam und Eva auf dem oberen Deck, ermahnend oder vielleicht doch als Hoffnungsträger? Klar ist…
Rettung tut Not!
Auch Schirmherr Alicem Polat (SPD) – stv. Bezirksbürgermeister – sagt ein paar einleitende Worte, die aber leider im hinteren Bereich vom Winde verweht werden und aktustisch nicht mehr zu verstehen sind.
Doch die „Goldene Arche Noah“ steht zur Rettung bereit und jede Besucherin, jeder Besucher kann einen Beitrag leisten und bei dieser kreativen Mitmach-Aktion Blumen basteln und zur Rettung in die „Goldene Arche Noah“ hinein legen. Wir Menschen müssen endlich in die Aktion kommen zur Rettung unserer Umwelt.
Mit der „Titanic-Melodie“ sorgt die Musikerin und Komponistin Sylvia Wimmershoff mit ihrer Elektro-Geige für die musikalisch-dramatische Untermalung bei der Vernissage. Na, da wollen wir mal hoffen, dass die „Goldene Arche Noah“ nicht dem Beispiel der Titanic folgt und untergeht….
Eine strahlend-glänzend-schöne Kunst-Installation mit einer ernsten und dringlichen Umwelt-Botschaft.
Besichtigungen der „Goldenen Arche Noah“ sind noch bis 28.08.2022 möglich
während der Hafenöffnungszeiten von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Führungen/Kontakt über den Galeristen Rolf Hartung:
Tel. 0176 70358640
Siehe auch meinen Blogbeitrag zur Ankunft des Kunst-Schiffes im März 2020 im Rheinauhafen Köln:
https://www.crossartlive.de/blog/2020/03/08/erstes-kunst-schiff-in-koeln-angelegt/
Seit mehr als 5 Jahren, um genau zu sein, seit April 2017, treffen sich die „Eierplätzchen-Künstlerinnen und Künstler“ Sonntag für Sonntag, um plein air zu malen, aber auch um sich auszutauschen und um sich von interessierten SpaziergängerInnen über die Schulter schauen zu lassen.
(Ein Teil der Künstlergruppe)
Mehr als 5 Jahre Eierplätzchen-Montmartre, das sind mehr als 160 Sonntage, an denen sich die Gruppe getroffen hat, das sind so einige Anekdoten und Geschichten, das sind aber auch schöne Begebenheiten und vor allem wundervolle Begegnungen, an die sich alle gerne zurückerinnern. Ja – und wäre da nicht das Ordnungsamt gekommen, wir wären ganz sicher noch immer auf dem Eierplätzchen.
Doch vom Ordnungsamt vertrieben, sind wir kurzer Hand weitergezogen auf den Mittelstreifen bis zur Lutherkirche und machen dort jetzt „Kunst unter den Glocken“. Und gleichzeitig wurde aus dem „Eierplätzchen-Montmartre“ -> „MOKA“ = mobile Kunst-Aktionen Köln.
In all den Jahren sind so viele großartige Werke im öffentlichen Raum entstanden, dass es nur logisch und folgerichtig war, diese Werke in einer Ausstellung zu präsentieren. So fand die erste „Eierplätzchen-Roadshow“ bereits 2019 statt. Und tatsächlich hatten wir auch hier bereits Besuch vom Ordnungsamt. Weshalb? Nun, wir hatten einfach während der Vernissage eine Sitzbank vor die Türe gestellt und dadurch mal eben mindestens einen Parkplatz blockiert. Und was das in der Südstadt bedeutet, nun ja, man kann es sich gut vorstellen. Personalien etc. wurden aufgenommen, doch de facto haben wir bis heute nichts mehr davon gehört. 2020 fand dann die zweite „Eierplätzchen-Roadshow“ statt, diesmal unter corona-Bedingungen. Trotz allem war es aber eine sehr erfolgreiche Ausstellung.
Foto: Ingo Botho Reize
Vergangenes Wochenende war es dann endlich soweit, es fand die „Eierplätzchen-Roadshow“ 2022 statt und das wiederum, das hat schon Tradition, in der Galerie Smend.
Bei dieser dritten „Eierplätzchen-Roadshow“ am 25. und 26. Juni 2022 präsentierten 12 Künstlerinnen und Künstler eine Mischung aus Werken, die im öffentlichen Raum, aber auch mit Werken, die im Atelier entstanden sind.
Bei den 12 Künstlerinnen und Künstlern handelt es sich um:
marenvonkölle, Anne Ruffert, Nicola Pandel, Volker Paffenholz, Peter Fischenich, Georg Petermann, Ursula Oppermann Weber alias Nasieku Orkan, Peter Mück, Taugeroad, Nina Marxen Sven Teuber und Reinhard Scheithauer
Foto: Ingo Botho Reize
Ein Highlight der Ausstellung waren die „Elf kleinen Köln Geister“ von Reinhard Scheithauer, die die Besucher verzauberten. Es handelt sich hierbei um Kunstobjekte komplett aus Naturmaterialien hergestellt, die wirklich einzigartig sind.
Foto: Ingo Botho Reize
Das Wand füllende Bild von Taugeroad war ein weiterer Eyecatcher. In diesem Bild gab es viel zu entdecken und so blieben viele BesucherInnen entsprechend lange vor diesem Kunstwerk stehen.
Foto: Ingo Botho Reize
Daneben gab es noch feinste Digital-Art von Sven Teuber oder scratch-art-Kunstewerke von Peter Mück zu bestaunen, um nur ein paar Beispiele zu nennen aus der vielfältigen Kunst der „MOKA“-Künstlergruppe.
Geplant war, dass an beiden Ausstellungstagen die Künstlerinnen und Künstler parallel auch auf dem Eierplätzchen live malen. Dies war wetterbedingt leider nur am Samstag möglich. Trotz des Regens am Sonntag, war die Stimmung aber gut und es fanden bei dem einen oder anderen Getränk inspirierende schöne Gespräche statt.
marenvonkölle verlegte ihren „Arbeitsplatz“ einfach in die Galerie, gestaltete sich dort eine kleine Kreaktiv-Ecke und die AusstellungsbesucherInnen konnten ihr bei der Arbeit zuschauen.
Beide Ausstellungstage sowie auch die Vernissage am Samstagabend waren gut besucht. Der Künstlergruppe war es wunderbar gelungen, die chillige Atmosphäre der Sonntagnachmittags-Treffen in die Galerie mitzunehmen. Es war spürbar, dass es sich nicht „nur“ um eine Gemeinschaftsausstellung handelt, sondern dass es sich hier auch um eine über die Jahre zusammen gewachsene Gruppe handelt, die zusammenhält und sich gegenseitig hilft und unterstützt. Es ist gerade dieser Geist und genau diese Energie, die für eine schöne Stimmung während der Ausstellung sorgte.
Schon der Titel der Ausstellung „Farben des Orients“ zieht mich an. Der Hauch des Fremden, des Orientalischen, des Geheimnisvollen macht neugierig.
Der Künstler Hammoud Almahasen stammt aus Ar-Raqqa, einer Stadt im Norden Syriens am Euphrat gelegen. Heute lebt der Künstler in Dortmund. Mit seinen großformatigen abstrakten Bildern, mal mit starken, intensiven, ja plakativen Farben, mal aber auch mit zarten Farben, entführt er die, trotz der großen Hitze, so zahlreich erschienenen BesucherInnen in seine Heimat Syrien.
Jabbar Abdallah, Archäologe, Autor und Kurator aus Syrien erzählt in seiner Vernissage-Rede, in die er den Künstler immer wieder miteinbezieht, locker und entspannt ein bisschen über das Leben des Künstlers und führt uns in die Kunstwelt von Hammoud Almahasen ein.
So erfahren wir, welches die Lieblingsbilder des Künstlers selbst sind und worin die Bedeutung dieser Bilder liegt. So stellt das erste vorgestellte Bild ein syrisches Dorf dar, während das nächste Bild, zart und harmonisch, inspiriert ist von der Wüste und das dritte Bild, bei dem die Farbe blau dominiert, einen Bezug zum Euphrat hat. Bei diesem Bild erzählt der Künstler dann auch, dass ihn der Rhein an den Euphrat erinnert und dass ihn Köln wegen seiner alten römischen Geschichte sehr interessiert. Almahasens Bilder erzählen Geschichten vom Alltag der Menschen in Syrien, deren Hoffnung auf ein friedvolleres Leben, ihrer Naturverbundenheit und erinnert an eine vergangene Kultur. Kunst als wunderbare Brücke zwischen den Zeiten und nicht zuletzt zwischen Kulturen!
Es schließt sich Live-Musik an, offensichtlich syrische Heimatlieder, bei der die syrischen BesucherInnen schnell mitsingen und sogar im Halbkreis tanzen.
Im Laufe des Abends verlagert sich die Runde dann nach draußen, Bänke und Tische werden aufgestellt, es gibt Kleinigkeiten zu essen und wieder werden Lieder gesungen. Wir sind sofort herzlich in die Runde aufgenommen und fühlen uns wohl. Ein wunderbares kleines syrisches Fest, bei dem wir dabei sein dürfen. Es ist spürbar, wie gut es den syrischen Mitmenschen tut, Lieder aus ihrer Heimat zu singen, aber es weckt auch Erinnerungen und Sehnsucht, wie mir ein junger syrischer Mann erzählt, zumal im Moment ja immer noch nicht die Möglichkeit besteht, in die Heimat zu fahren.
Es ist immer wieder faszinierend, Einblicke in andere Kulturen zu bekommen. Ein sehr inspirierender Abend auf vielen Ebenen, der mich sehr berührt hat mit großartiger Kunst aus Syrien.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.06.2022
täglich 14.00 bis 20.00 Uhr
Alte Feuerwache Köln / Halle
Melchiorstr. 3
50670 Köln
Veranstalter: Verein 17_3_17 e.V., Verein der Förderer des Austauschs
deutscher und syrischer Kultur, zusammen mit Aktion Neue Nachbarn
"ARTmaniac" IM KUNSTCLUB NACHTBRÖTCHEN DÜSSELDORF
Freitag Mittag machte ich mich zusammen mit Peter Mück auf den Weg nach Düsseldorf. Unser Ziel: der Kunstclub Nachtbrötchen in Düsseldorf, wo mittags der Aufbau und abends die Vernissage zur aktuellen Ausstellung „ARTmaniac“ stattfand.
Vom Hauptbahnhof Düsseldorf ging es nochmal ein kurzes Stück weiter mit der U75 zur Lierenfelder Str. Zugegeben, mein erster Eindruck war, „ok, doch ein wenig abgelegen, ob da viele Besucher zur Vernissage kommen werden?“ Doch da sollte ich eines Besseren belehrt werden!
Peter Mück - Ankunft Kunstclub Nachtbrötchen - Lierenfelder Str. 49 Düsseldorf
Aber zunächst möchte ich nochmal auf den Kunstclub Nachtbrötchen in Düsseldorf zurück kommen. Auf jeden Fall ein Name der neugierig macht – mich jedenfalls. Es handelt sich hierbei um einen eingetragenen Verein, der erst 2021 auf Initiative von André Schnaudt und Marc van der Spek gegründet wurde. Der Slogan des Vereins, den Marc van der Spek auch bei der Begrüßung zur Vernissage noch einmal ansprach, lautet: „We bring art to the people in a new way“. Das ist gerade in Pandemie-Zeiten äußerst wichtig. Und dieses Ziel wurde 2021 bereits sehr umgesetzt, in dem ein Kunst-Drive-in auf einem der Parkdecks im Flughafen Köln-Bonn konzipiert wurde. Näheres hierzu und zum Verein findet Ihr hier: https://www.nachtbroetchen.com/de/about/
Der Kunstklub Nachtbrötchen in Düsseldorf hat aktuell seine Homebase in der Lierenfelder Str. 49, in einem riesigen Gebäude, das zur Zwischennutzung zur Verfügung steht. Über zwei Etagen stehen zahlreiche größere und kleine Räume zur Verfügung. Der Künstler Ralf Buchholz hat die Ausstellung „ARTmaniac“ konzipiert und 34 Künstlerinnen und Künstler eingeladen hier auszustellen. Die 34 KünstlerInnen präsentieren die gesamte Vielfalt der Kunst. Ein unglaublich breitgefächertes Angebot an Kunst erwartet einen bei dieser Ausstellung, die sehr gelungen von Ralf Buchholz auf die Beine gestellt wurde. Diese Ausstellung kann man tatsächlich mehrfach besuchen, um sich wirklich alles in Ruhe anzuschauen und zu genießen.
Nach einer kurzen Ansprache von Marc van der Spek und Ralf Buchholz spazierten die sehr zahlreich erschienen BesucherInnen durch die Kunsträume.
Marc van der Spek und Ralf Buchholz bei der Vernissage-Ansprache
Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, über die Kunst von 34 KünstlerInnen zu schreiben. Stellvertretend möchte ich aber auf einen Künstler kurz eingehen: ali zülfikar. ali zülfikar präsentiert bei ARTmaniac seine Portraitserie „Angesichter“. Portraits oder vielmehr Angesichter die anders, aber sehr besonders sind. Sie sind in einer eigenen, von ihm entwickelten Art gezeichnet, die einzigartig ist. Die z.B. im Gesicht eines älteren Menschen vorhandenen Spuren des Alters werden nicht beschönigt, sondern durch diese Technik vielmehr noch herausgearbeitet und hervorgehoben. Das Angesicht erzählt das ganze gelebte Leben dieses Menschen. Und das ist faszinierend.
Ali zülfikar
Bei einem kühlen Bier und Elektromusik in der Lounge haben viele KünstlerInnen wie BesucherInnen den Abend in netter Gesellschaft ausklingen lassen.
Die Ausstellung „ARTmaniac“ sollten Sie nicht verpassen!
Die Ausstellung „ARTmaniac“ läuft noch bis 08.05.2022
Öffnungszeit: Samstag und Sonntag 14-17 Uhr
Achtung: Öffnunszeiten an Ostern: nur Samstag 14-17 Uhr
Lierenfelder Str. 49
40231 Düsseldorf
KUNST MIT KUNST VERBINDEN - crossart macht Schule
Kann man Musik beziehungsweise die Freude die aus ihr erwächst, malerisch umsetzen? Genau diese Frage hat sich der Künstler Rudolf Kaplan gestellt und zum Thema seiner Ölgemälde gemacht. Und das ist gut gelungen, glaubt man doch, die Musik in seinen Bildern zu hören. So verbindet er Kunst mit Kunst.
Daneben kann man sich dem morbiden Charme der von Kathrin Broden fotografisch großartig in Szene gesetzten Lost Places hingeben. Zu einem idyllischen Verweilen am Rheinufer laden die Motive des Künstlers Adam Sochaj ein. Die Künstlerin Robelis Rodriguez hat Linien, Kreise und Abrundungen aus der Neurographik in ihre Bilder überführt. Und mit dem Stilmittel des Composing, unter Verwendung von Natur- und Urlaubseindrücken, lässt uns die Künstlerin Susanne Fritsch durch ihre Bilder an ihren Erinnerungen teilhaben.
Vernissage "Einfach Kunst"
Das sind nur einige Beispiele der außergewöhnlichen und spannenden Ausstellung „Einfach Kunst“ im Foyer der VHS in Bergisch Gladbach. Die Ausstellung zeigt die ganze Vielfalt künstlerischer Positionen, von Malerei über Fotografie bis zur Scratchart, die bei crossart international zu finden ist. 12 KünstlerInnen des Netzwerks zeigen hier noch bis zum 04.03.2022 ihre Werke. Die Ausstellung erstreckt sich über 2 Etagen, auf denen es die spannenden Bezüge zwischen den Werken der KünstlerInnen zu entdecken gilt.
Vernissage "Einfach Kunst"
Der Einladung zur Vernissage am vergangenen Montag, dem 07.02.2022 – zugegeben ein ungewöhnlicher Wochentag für eine Vernissage – folgten trotzdem zahlreiche BesucherInnen. Hatte ich jemals Bedenken wegen des Wochentags, so wurden diese schnell zerstreut. Um den BesucherInnen einen Eindruck und Überblick zu verschaffen, haben Peter Mück und Angela Bungarz nach der freundlichen Begrüßung durch den Leiter der VHS, Herrn Buhleier, die ausstellenden KünstlerInnen kurz vorgestellt. Bei den ausstellenden KünstlerInnen handelt es sich um:
Nina Marxen, Anne Palitza, Adi Topo, Susanne Fritsch, Rudolf Kaplan, Dirk Bachem, Sven Teuber, Robelis Rodriguez Mijares, Adam Sochaj, Ilse Wurzel, Kathrin Broden und Peter Mück
Vernissage "Einfach Kunst!
Nach dem formellen Teil gab es schließlich in der schönen, offenen und einladenden Atmosphäre des Foyers noch ein geselliges Beisammensein. Begleitet wurden die Gäste bei ihrem Kunstgenuss von den sphärischen Klängen des Gitarristen Rafael Stolarski, dem es mit dem von ihm erzeugten Klangteppich ebenfalls gelungen ist, Kunst mit Kunst zu verbinden. Ein sehr gelungenes Event, das KünstlerInnen und Gäste gleichermaßen mit einem glücklichen Gesicht verließen.
Ausstellung: 07.02. - 04.03.2022
Mo.--Fr. 08:00 - 21.00 Uhr
VHS Bergisch Gladbach
Foyer 1. und 2. Etage
Buchmühlenstraße 12, 51465 Bergisch Gladbach
Wir leben in einer Zeit großen Wandels und Umbruchs. Eine extrem herausfordernde Zeit für jeden von uns. Soziale Ungerechtigkeit, Missstände, Klima-Krise, Pandemie – alles scheint sich immer weiter zu verschärfen. Wie damit umgehen? Was können Kunst und soziale Projekte bewirken?
Kunst und Kultur leisten hier einen nicht zu unterschätzenden Beitrag durch die Verbindung von Kunst mit sozialen Projekten. KünstlerInnen nutzen ihre künstlerische Tätigkeit aber auch, um Krisen für sich zu verarbeiten, zu interpretieren und zu deuten. Gleichzeitig versuchen sie damit auch, bestimmte Situationen einzuordnen und zu sortieren. Das Ergebnis wird in ihren Kunstwerken sichtbar. Viele Menschen haben dieses Ventil nicht. Diese Kunstwerke sind eine Einladung an andere Menschen, an dem Verarbeitungsprozess der Künstlerin/des Künstlers teilzuhaben. Und damit helfen die KünstlerInnen letztlich nicht nur sich selbst sondern auch anderen, mit schwierigen Situationen umzugehen und fertig zu werden. Man nennt das heute Resilienz. Es macht die Menschen widerstandsfähiger und stärker. Siehe auch Blog-Beitrag: https://www.crossartlive.de/blog/2021/05/29/hat-kunst-eine-aufgabe-in-der-gesellschaft/
Darüber hinaus verbinden viele KünstlerInnen ihre Kunst oft mit sozialem Engagement, in dem sie soziale Projekte durch Spenden, erzielt aus den Verkaufserlösen ihrer Kunstwerke, unterstützen. Dadurch erfahren diese Kunstwerke einen karitativen Mehrwert. Neben der Unterstützung bereits bestehender sozialer Projekte nutzen viele KünstlerInnen aber auch ihre Kreativität, um selbst neue soziale und wohltätige Projekte zu initieren.
Ein großartiges soziales Projekt, das von vielen KünstlerInnen unterstützt wird, ist die 2013 von Dirk Kästel gegründete Stiftung „Kunst hilft geben für Arme und Wohnungslose in Köln e.V.“ und die Stiftung „Cultopia“. Anliegen dieser Stiftungen ist es, das Leben von armen und obdachlosen Menschen zu verbessern. Mit den Erlösen aus Benefiz-Ausstellungen, Geld- und Sachspenden sowie Kunstschenkungen, z.B. von Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Rosemarie Trockel konnte schon sehr vielen Menschen geholfen werden. Und Dirk Kästel hat eine Vision: die CASA COLONIA, ein Integrationshaus, in dem Obdachlose zusammen mit KünstlerInnen und StudentInnen leben sollen. Weitere Infos: https://kunst-hilft-geben.de/
Auch der bekannte Kölner sratchart-Künstler Peter Mück verbindet seine Kunst gerne mit sozialen Projekten. So hat er z.B. das soziale Kunst-Projekt die „Deutsche-Bank-20“ ins Leben gerufen. Durch den Verkauf dieser Kunstwährung unterstützt er Obdachlose – siehe auch: https://crossart.ning.com/page/soziale-projekte-peter-muck
Für das international bekannteste Streetart-Duo „Herakut“ (Jasmin Siddiqui und Frank Lehmann), deren riesige märchenhaften Wandgemälde auf der ganzen Welt zu finden und zu sehen sind, gehören Streetart und soziales Engagement einfach zusammen. Mit ihren riesigen Murals möchten sie etwas Positives im öffentlichen Raum hinterlassen. Aber auch Wände in Schulen und Flüchtlingsunterkünften zu verschönern, gehört für sie zum sozialen Engagement.
Mitten während der corona-Zeit hat die Künstlerin Ela Rübenach eine Kunstaktion ins Rollen gebracht für ein Thema, das durch corona völlig in den Hintergrund gerückt ist. So hat sie die „Kunst-Aufweck-Aktion“ zugunsten von DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) initiiert. https://www.dosenkunstmitstil.de/dkms Ihrem Aufruf, Banderolen für Konservendosen zu kreieren sind unglaublich viele SchauspielerInnen, AutorInnen, MusikerInnen und SportlerInnen nachgekommen. Siehe auch Blogbeitrag: (https://www.crossartlive.de/blog/2021/02/10/corona-blues-auswirkungen-auf-kreativitaet-und-kunst/
Ein schönes Beispiel für ein gelungenes soziales Projekt, bei dem Jugendliche eingeladen waren, sich aktiv künstlerisch auszudrücken, fand im Rahmen der Sonderausstellung „Resist – Die Kunst des Widerstands“ im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln statt. Das RJM stellte mehrmals in der Woche das Repair-Cafè den Jugendgruppen zur Verfügung. Die Jugendlichen hatten so die Gelegenheit, sich gemeinsam über ihre Gedanken und Gefühle zu einem für sie wichtigen Thema auszutauschen. Im Anschluß erfolgte dann die künstlerische Umsetzung in Form eines Linoldrucks. Dieses großartige Projekt fand in Kooperation mit dem Jugendfreizeitwerk Köln e.V. stand. Siehe hierzu auch Blogbeitrag:https://www.crossartlive.de/blog/2021/11/13/workshops-fuer-jugendliche-bei-sonderausstellung-im-rautenstrauch-joest-museum/
Es gibt eine Reihe von sozialen Projekten aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie der Obdachlosenhilfe, der Integration von Flüchtlingen sowie aus den Bereichen Ökologie und Klimaschutz, die von KünstlerInnen aktiv unterstützt werden.
Vielen KünstlerInnen ist es einfach ein Herzensanliegen mit und durch ihre Kunst etwas zu bewirken, ja vielleicht sogar auf gesellschaftliche Veränderungen einzuwirken. Soziales und/oder ökologisches Engagement ist zudem total sinnstiftend. Haben wir nicht alle Sehnsucht nach einer sinnstiftenden Tätigkeit?
Die Kunst kann den Menschen helfen, mit schwierigen Situationen fertig zu werden. Daneben kann die Kunst aber auch Trost spenden, Perspektiven aufzeigen und so Hoffnung schenken. Und aus dieser Hoffnung heraus entsteht wieder neuer Mut für neue Aktivitäten. Und ist nicht gerade aktives soziales und ökologisches Engagement ein Weg heraus aus passiver Hilfslosigkeit und Ohnmacht? Ist es nicht genau das, was wir brauchen, um gemeinsam Dinge zu verändern und gemeinsam die Zukunft gestalten? Es ist möglich!
Bleiben Sie hoffnungsvoll
Ihre
Angela Mück
In meinem nächsten Beitrag werde ich über Kunst und Aktivismus schreiben…
KREATIVER WORKSHOP IM MUSEUM KOMMT BEI JUGENDLICHEN GUT AN
Veröffentlicht 13.11.2021
Es ist ein typischer grau-verregneter Tag im November, also geradezu prädestiniert, um mal wieder ins Museum zu gehen. Meine Wahl fällt auf das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln, dass mich aus gleich zwei Gründen anzieht. Da ist zum einen die Sonderausstellung „Resist – Die Kunst des Widerstands“, die mich interessiert. Diese Sonderausstellung macht die koloniale Unterdrückung des Globalen Südens der letzten 500 Jahre bis heute -wobei der Fokus auf dem antikolonialen Widerstand liegt - sichtbar, und je mehr man eintaucht, ja fast sogar erfahrbar. Die Kunstwerke der 40 zeitgenössischen KünstlerInnen aus dem Globalen Süden und aus der Diaspora präsentieren sich in vier labyrinthisch gestalteten Räumen. Neben Gemälden, Fotos und Widerstandsplakaten beschäftigt sich die Ausstellung aber auch noch mit historischen Dokumenten und geraubten Kulturgütern. Die Vielfältigkeit der präsentierten Werke, die spezielle räumliche Anordnung und die sehr ausführlichen schriftlichen Erklärungen machen es erforderlich, dass jeder seine eigene Art finden muss, sich der Ausstellung und deren besonderen Inhalten, die jeden anders berühren und betroffen machen, zumindest aber nachdenklich stimmen, zu nähern und auseinandersetzen.
Mich faszinieren besonders die Fotos, des in Paris lebenden, senegalesischen Foto-Künstlers und Modefotografen Omar Victor Diop aus der Serie „Diaspora 2015“ https://www.omarvictor.com/project-diaspora. Diese Reihe hat Diop vergessenen Persönlichkeiten der Black Diaspora aus der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gewidmet. Der Clou hierbei ist, dass Diop selbst auf den Fotos zu sehen ist. Trotzdem sind es keine Selbstporträts, denn er verkörpert die oben genannten Persönlichkeiten. Er schlüpft quasi in deren Rollen, modisch und stylisch gekleidet und fast immer ist ein Fußball mit dabei, mit dem er einen gezielten Pass in die Gegenwart schlägt, um auf die stereotype Darstellung schwarzer Männer in den Medien hinzuweisen. Doch beim Betrachten der Fotos sind es insbesondere die Augen Diops, die einen nicht mehr loslassen. Dem intensiven, fast hypnotischen Blick Diops kann man sich nicht entziehen. Diese Augen sprechen Bände, schauen einen stolz und selbstbewusst, gleichzeitig aber auch anklagend und verachtend an. Und egal, ob ich mich an den Bildern rechs oder links vorbei bewege, seine Augen gehen immer mit, sie verfolgen mich. Schon ein bisschen unheimlich. Nicht umsonst macht das RJM mit einem seiner Fotos Werbung für diese eindrucksvolle Sonderausstellung, in der es unendlich viel zu entdecken gibt.
Darüber hinaus trifft man zu festgelegten Zeiten in der Ausstellung auf Livespeaker, es gibt eine „Library of Resistence“, Erzählcafés sowie eine Repair- und Schreibwerkstatt.
Und dann ist da noch die zweite Sache, die mich interessiert. Denn die Repairwerkstatt wurde vom RJM dem Jugendfreizeitwerk Köln e.V., welches in Chorweiler beheimat ist, für regelmäßige Workshops mit Jugendgruppen zur Verfügung gestellt. Ich bin mit dem Werkstattleiter des Jugendfreizeitwerks, Kamil Rachwal, verabredet, der mich eingeladen hat, an diesem Tag die Jugendlichen bei einem Workshop zu begleiten. Es sind immer wechselnde Jugendgruppen, die an diesen Workshops teilnehmen, so dass viele Jugendliche die Möglichkeit haben, dieses Angebot wahrzunehmen. Eine Verpflichtung, sich zusätzlich die Sonderausstellung anzuschauen, gibt es nicht. Natürlich möchte das RJM durch diese Kooperation mit dem Jugendfreizeitwerk Köln e.V. und den angebotenen Workshops, den Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zum Museum bieten.
(Jugendliche bei der Themensammlung - Foto Angela Bungarz)
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Erzählcafé lädt Rachwal die Jugendlichen zunächst ein, einmal zu überlegen, wo sie in ihrem Leben Widerstände spüren und wofür sie kämpfen möchten. So stellt er einen Bezug zum Thema der aktuellen Sonderausstellung her. An diesem Tag kristallisiert sich schnell heraus, dass für diese Gruppe „Mobbing“ gerade das zentrale Thema ist. Viele von ihnen waren bereits selbst Mobbing-Opfer oder kennen jemanden in ihrem Umfeld, der von Mobbing betroffen war oder ist. Anschließend können die Jugendlichen dann ihre Gefühle und Emotionen zu diesem Thema in der Repairwerkstatt kreativ ausdrücken. Hier lernen sie den Umgang mit einer Druckerpresse und die Herstellung eines Linoldrucks. Rachwal hat eine der Jugendlichen, die mit dem Druckverfahren bereits sehr vertraut ist, die Aufgabe übertragen, der Gruppe das Verfahren zu erklären. Das macht sie schon sehr souverän und routiniert. Das Jugendfreizeitwerk Köln e.V. hat eigens eine Druckerpresse bereit gestellt und das RJM hat vorgefertigte Schablonen zur Verfügung gestellt. Daneben können die Jugendlichen aber auch ihre eigenen Schablonen herstellen.
WIDERSTANDS-KUNST GESTERN UND HEUTE
Es zeigt sich, dass die meisten Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und sich selbst eine Schablone, die besser ihre eigenen Gefühlen ausdrückt, erstellen. Bei der Erstellung der Schablonen arbeiten sie hochkonzentriert. Dabei werden sie von Rachwal ruhig und auf Augenhöhe begleitet. Die Jugendlichen tauschen sich auch untereinander in kreativer, harmonischer und friedlicher Atmosphäre aus. So entstehen filigrane und sehr aufwändige kleine Meisterwerke. Die Jugendlichen, von denen einige bereits das zweite mal dabei sind, erzählen mir, dass ihnen diese Arbeit, vor allem auch das gemeinschaftliche Arbeiten, sehr viel Spaß macht. „Es beruhigt mich einfach“ erklärt mir eine der Jugendlichen. Als es dann mit den fertigen Schablonen an die Druckerpresse geht, wird es sehr lebendig, stolz, manchmal sogar begleitet von einem kleinen Jubelschrei präsentieren sie ihre fertigen Kunst-Drucke, die zum Abschluss noch signiert werden. Von jeder Vorlage werden mindestens zwei Drucke erstellt, wovon ein Druck mit nach Hause genommen werden darf, während der andere Druck an eine der Säule in der Repairwerkstatt geklebt wird. Für die fertigen Schablonen gibt es ein extra dafür vorgesehenes Regal. So können die Jugendlichen am Ende ganz selbstbewusst sagen, dass ein Kunstwerk von ihnen im Museum ausgestellt ist. Andere Ausstellungsbeesucher dürfen sich übrigens von einer bereits vorliegenden Schablone einen Druck erstellen und mit nach Hause nehmen. Auch ich darf mir zum Abschluss der Veranstaltung ein Motiv aussuchen und einen Druck davon mit nach Hause nehmen. Die Wahl fällt mir nicht leicht, stehen doch sehr viele tolle Motive zur Auswahl. Schließlich habe ich mich doch für ein sehr kraftvolles Motiv entschieden. Der Druck hat einen Ehrenplatz in meiner
Wohnung gefunden.
Aktuelle Information: zwischenzeitlich sind die Workshops corona-bedingt bis auf Weiteres abgesagt. Das ist sehr schade, denn die Workshops kamen bei den Jugendlichen sehr gut an, sie wurden gehört, gesehen und konnten ihre Gefühle kreativ ausdrücken.
Weitere Infos zur Sonderausstellung, zu Öffnungszeiten und Preisen gibt es hier:
https://rautenstrauch-joest-museum.de/RESIST-Die-Kunst-des-Widerstands
Infos zum Jugendfreizeitwerk Köln e.V. :
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